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Post-Siegelmarken

1. Vom Siegel zur Siegelmarke

Bereits aus dem Namen „Briefsiegelmarken" ergibt sich, dass ihr Zweck der Verschluss von Briefen ist, um ihren Inhalt vor der Einsichtnahme unberufener Personen zu schützen. Da das Interesse an einem unverletzten Briefgeheimnis bei jedem Briefschreiber und zu jeder Zeit groß war, wurden die ersten Briefverschlüsse schon vor 5000 Jahren in den Gräbern der ägyptischen Könige gefunden. Hierbei handelte es sich um Siegel, die in der Form von kleinen Zylindern auf ihrer Oberfläche Schriftzeichen trugen und auf den damals verwendeten Tonplättchen abgerollt wurden.

Die älteste Nachricht über den Gebrauch von Siegeln enthält das Schreiben eines ägyptischen Königs aus der Zeit etwa 1350 v. Chr., in dem der Empfänger gebeten wird, die erbetene Goldsendung gut zu versiegeln, da aus einer früheren unversiegelten Sendung Gold abhanden gekommen sei. Auch die Bibel enthält zahlreiche Hinweise auf die Verwendung von Siegeln bei Brief- und sonstigen Sendungen durch Siegelringe. Dass Siegelringe auch in der späteren Zeit nichts an Beliebtheit bei Griechen, Römern und Germanen einbüßten, hängt damit zusammen, dass dem Siegelabdruck zunehmend der Beweis zukam, der Brief sei tatsächlich vom Inhaber des verwendeten Siegels abgesandt worden. Diese Bedeutung war im Mittelalter besonders wichtig für die von der hierfür zuständigen Stelle ausgestellten Geleit-und Schutzbriefe. Zu dieser Zeit unterschied man geschlossene Briefe (literae clausae) und offene Briefe (literae patentes). Von ihnen leitet sich das Wort "Patent" ab, das noch heute für Bestallungsurkunden z. B. in der Schifffahrt üblich ist.

Das Material, in das die Verschlusssiegel abgedrückt wurden, war wie schon erwähnt ursprünglich Ton, der zerbrochen werden musste, wenn man an den Inhalt gelangen wollte. Für die später verwendeten Tierhäute, Palmen- oder Papyrusblätter kam dann Wachs zur Verwendung, bis später auch Metallsiegel benutzt wurden. Es waren dies die sogenannten Bullen (aus dem Lateinischen: bulla = Kapsel = Siegel = Urkunde), von denen am bekanntesten die "Goldene Bulle" ist, die das im Jahre 1356 erlassene erste deutsche Reichsgrundgesetz enthielt. Dabei hatte sich eingebürgert, dass Goldsiegel von Kaisern und Königen, Bleibullen von den Päpsten verwendet wurden. Die päpstlichen Bullen ließen sogar durch ein äußerliches Kennzeichen Rückschlüsse auf den Inhalt zu. War nämlich das Bleisiegel an einer seidenen Schnur befestigt, so enthielt die Bulle eine gute Nachricht. Der Empfänger von schlechten Nachrichten hatte sich mit einem Faden aus Hanf zu begnügen.

In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts kam der aus China eingeführte Siegellack auf. Er erhielt bald Konkurrenz durch Oblaten, die als kleine flache Scheiben aus ungesäuertem Weizenmehl hergestellt wurden. Sie gab es in verschiedenen Farben, so dass sie als unmittelbare Vorläufer der jetzt gebräuchlichen Siegelmarken gelten können.

Eine weitere Verwandtschaft besteht darin, dass man damals wie heute die Siegel nach ihren Bildern unterschied wobei jedoch das Wappensiegel am gebräuchlichsten war, Viele dieser alten Siegel sind beim Ableben ihrer alten Inhaber aus Angst vor missbräuchlicher Benutzung vernichtet worden. Dies geschieht noch heute mit dem Siegelring, den ein Verstorbener Papst während seiner Amtszeit getragen hat. Benutzt wird hierzu ein silberner Hammer, mit dem Zuvor der Kardinalskämmerer den Verstorbenen dreimal mehr oder weniger sanft auf die Stirn geschlagen und unter Nennung seines Vornamens gefragt hat: „Bist Du gestorben?« Wenn hierauf keine Vernehmbare Antwort erfolgt, wird dem Verstorbenen der Siegelring vom Finger gezogen und zertrümmert .Da dies im Rahmen eines Von der katholischen Kirche genau festgelegten und seit Jahrhunderten geübten Rituals geschieht, wird hiernach wohl auch in Zukunft - wie bei den kürzlich verstorbenen Päpsten verfahren werden.

Die ständige Zunahme des Siegelwesens ergab sich zwangsläufig, als im Zuge des einsetzenden Postverkehrs alle Sendungen - selbst die gewöhnlichen Briefe und Pakete - versiegelt auf geliefert werden mussten. Die dies für Briefe anordnende Bestimmung wurde z.B. in Preußen erst am 2. März 1849 aufgehoben. In diese Jahre fällt auch die amtliche Einführung fabrikmäßig hergestellter gummierter Briefumschläge (Amtsblatt-Verfügung Nr. 220/1851). Damit wurde das Versiegeln von Briefumschlägen für die Masse der Postbenutzer überflüssig. Bestehen geblieben sind jedoch bis heute zahlreiche postalische Bestimmungen, die sich aus Sicherheitsgründen mit der Verwendung von Lack- und Bleisiegeln in bestimmten Einzelfällen befassen.

Zu allen Zeiten war die Verwendung von Siegellack ein umständliches Verfahren. Ein gleichwertiger Ersatz wurde aber bislang nicht gefunden. Denn auch eine durch AmtsblVf. Nr. 23/1934 eingeführte Kaltsiegelmasse bewährte sich nicht. Besondere Schwierigkeiten ergaben sich für die Postanstalten auf dem Transportweg, da die Gefahr des Siegelbruchs und einer Beeinträchtigung des Inhalts erheblich war. Mit diesem Thema mussten sich deshalb die Postverwaltungen oft und schon sehr früh befassen. Bereits die Preuß. Postordnung vom 10. August 1712 enthielt zahlreiche Vorschriften über das Versiegeln. Insbesondere wurde das Personal angewiesen, bei jeder Übergabe die Ordnungsmäßigkeit und Unversehrtheit der Siegel auf den Sendungen zu prüfen und notfalls eine Neuversiegelung vorzunehmen. Ähnliche Bestimmungen bestanden auch bei den meisten anderen Postverwaltungen.

Selbst 150 Jahre später war das Siegellackproblem seiner Lösung noch keinen Schritt nähergekommen. Hierfür ein Zitat aus der AmtsblVf. Nr. 7/1865 des Kgl. Post-Departements: „Beim Herstellen eines jeden Briefbundes empfiehlt es sich, dass die Siegelseite desjenigen Briefes, welcher im Bunde zuletzt zu liegen kommt, in der Regel nach dem Innern des Bundes gekehrt werde; treffen alsdann zwei förmliche Siegel aufeinander, so empfiehlt sich die Zwischenlegung eines mäßigen Stücks Emballage (= Verpackung), wodurch indes wiederum kein Brief verdeckt werden darf. Wenn auch dies nicht half, so stand das Postpersonal vor der schwierigen Frage: „Findet sich an Umspedierungs-Orten das Couvert oder Siegel oder sonstige Verschluss eines Briefes beschädigt, so ist zu unterscheiden, ob die Beschädigung schon so weit vorgeschritten ist, dass der Inhalt des Briefes oder das Briefgeheimnis gefährdet sein würde, oder ob die Beschädigung erst im Entstehen ist. Je nach Lage des Falles waren dann geeignete "Hülfsmittel und Vorkehrungen" zu treffen. All dies verhinderte natürlich auch weiterhin nicht Siegelbeschädigungen und entsprechende Beschwerden des Publikums. Sie drohten sogar - wie angedeutet wurde ―‚ das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Postpersonals zu erschüttern.

2. Aufstieg und Niedergang der Briefsiegelmarke

Natürlich wurde auch im Postbereich die gesamte Dienstpost versiegelt. So heißt es in der für den Geschäftsbetrieb bei den Oberpostdirektionen bestimmten ADA XI, Abt. 1, Ausgabe 1863, im § 18 Abs. 6: „In der Regel hat der Mandant die Reinschriften, welcher er gefertigt hat, auch zu adressieren, zu versiegeln und abzusenden.„
Erst in der Ausgabe von 1867 wird an der gleichen Stelle bestimmt..
 Zum Verschließen der amtlichen Correspondenz können von den Ober-Post-Directionen auch gummierte farbige Siegelmarken in Anwendung gebracht werden.„

Der Aufnahme dieser Bestimmung waren gemäß Circular-Verfügung vom 28. August 1862 umfangreiche Versuche bei der Geheimen Kanzlei des General-Postamts und den Königlichen Ober-Post-Directionen in Cöln, Stettin und Halle a/S. vorausgegangen, ob „die zum Verschließen der amtlichen Correspondenz eingeführten gummierten farbigen Stempelabdrücke„ sich in der Praxis bewährten. Nachdem dies bejaht werden konnte, wurde
 durch Circular-Verfügung vom 5. Februar 1867 bestimmt:,, Es soll daher allgemein den Königlichen Ober-Post-Directionen überlassen werden, dieses Verschlussmittel bei der amtlichen Correspondenz in Anwendung zu bringen.„

Sowohl nach dem Wortlaut dieser Verfügung als auch dem der o. a. ADA wurde die Verwendung des neuen Verschlussmittels im Dienstbetrieb nur als Kann-Bestimmung aufgenommen. Obwohl hier nicht feststellbar ist, ob von dieser Ermächtigung alle Direktionen Gebrauch gemacht haben oder ob sie sich in Einzelfällen :davon abschrecken ließen, dass sie die Kosten für die zur Herstellung der Siegelmarken erforderlichen Stempel übernehmen und eine Mindestbestellung von 10 000 Stück (bei einem Preis von 20 Silbergroschen je Tausend) aufgeben mussten, ist dennoch das. Jahr 1867 als Geburtsstunde der Briefsiegelmarke im Bereich der preußischen Postverwaltung anzusehen.

Es dauerte verhältnismäßig lange, bis die umständliche Verwendung von Siegellack den Kanzleibeamten endgültig untersagt wurde. Dies geschah erst durch die Vorschrift in der ADA XI, Abt. 1, Ausgabe 1884. § 16 dieser Dienstanweisung besagte, dass nunmehr der Kanzleibeamte die Reinschriften nicht zu versiegeln, sondern zu verschließen hatte, indem von den Oberpostdirektionen zum Verschließen der amtlichen Briefe gummierte farbige Siegelmarken in Anwendung zu bringen sind, sofern nicht in besonderen Fällen eine größere Sicherung des Verschlusses geboten erscheint. Die Verwendung von Briefsiegelmarken war damit den Oberpostdirektionen zur Pflicht gemacht worden.

An dieser Stelle sei eingeschaltet, dass Briefsiegelmarken nicht nur zum Verschließen der amtlichen Briefe, sondern auch „zum Verschließen der Briefbeutel und Briefpakete ohne Sendungen mit Werthangabe“ verwendet wurden und auch insoweit den Gebrauch von Siegellack ersetzten. Das Jahr, von dem ab so verfahren wurde, ist nicht genau bekannt. Einen Anhaltspunkt bietet die Verfügung vom 17. Dezember 1875, die den Kreis der Dienststellen, die Briefsiegelmarken zu dem angegebenen Zweck verwendeten, von den Bahnpostämtern und den Postämtern 1 auf die Postämter II und III ausdehnte, sofern die letzteren ebenfalls Abfertigungen in größerer Zahl vorzunehmen hatten.


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Quelle:
Post- und Fernmeldegeschichte zwischen Nord-und Ostsee ( 1979 )
der ehemaligen Gesellschaft für deutsche Postgeschichte Bezirksgruppe Kiel
Autor: Gerhard Rungs